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Salomé – the seventh veil Pressetext | 2007



Ein Hauch vom Zauber des Orients, eine fein dosierte Prise Verruchtheit und das Versprechen eines am Ende enthüllten Geheimnisses – das alles schwingt mit, wo vom Tanz mit sieben Schleiern die Rede ist, ganz gleich ob er wie im Titel des neuen Xandria Opus „Salomé – The Seventh Veil" mit der Tochter der Herodias oder mit ihren sagenumwobenen Vorgängerinnen in Verbindung gebracht wird. Schon die persische Göttin Ishtar soll ihn ausgeführt haben, um ihren Mann Tammuz aus der Unterwelt zurück zu rufen. Sieben Schleier müssen fallen, ehe sich ihr Wunsch erfüllt. Auch Isis wird mit der siebenfachen Enthüllung in Verbindung gebracht. Und heißt nicht bereits auf dem 2003 erschienenen Xandria-Debüt „Kill The Sun" einer der Titel „Isis/Osiris"? Ein gewisses Faible für Mythen mit exotischem Flair, soviel steht fest, ist der Band um Sängerin Lisa Middelhauve seit jeher zu Eigen.

Auch als die Bielefelder ein Jahr später auf den von keltischen Winden getragenen schwarzen Schwingen von „Ravenheart" die Albumcharts ansteuern, ist das Mystische ihr Begleiter. Ganze zwei Monate tummeln sie sich in den Charts, klettern bis auf Platz 36 und verzaubern mit dem Fantasy-Clip zum Titelsong eine wachsende Fangemeinde. Touren und Festivalauftritte folgen. Gastspiele in Süd-Korea inklusive. Xandria sind endgültig in der Spitzengruppe heimischer Gothic Acts angekommen. Doch statt es sich nun im Rabennest bequem zu machen und das einmal gefundene Erfolgsrezept ein weiteres Mal aufzukochen, wagt sich das Quintett mit seinem dritten Longplayer „India" auf neues Terrain. Ob im Titelsong, einer orchestral umspielten Uptemponummer in bester Nightwish-Tradition, oder in poppigen, mit orientalischem Gesang angereicherten Ausflügen ins stilistische Umland – die Band zeigt sich selbstsicher, gereift und entschlossen, ihr emotionsgeladenes Gegenangebot zum tristen Alltag ohne stilistische Selbstzensur auszureizen – sei es durch die Zusammenarbeit mit dem Filmorchester Babelsberg, das für ein gerüttelt Maß an quasi-cineastischem Bombast sorgt oder durch die stärkere Konzentration auf jenen rockenden Gitarrensound, der auf den Konzerten des Fünfers zu hören ist.

Mit „Salomé – The Seventh Veil", dass unter Leitung von Gitarrist Marco Heubaum gemeinsam mit der Band produziert wurde, enthüllen Xandria nun weitere überraschende Facetten, ohne dabei den roten Faden ihres bisherigen Schaffens aus dem Blick zu verlieren.

Wer sich im orientalischen Tanz üben kann, dem sei dringend zu „Sisters Of The Light" mit seinen vorderasiatischen Pop-Anleihen geraten. „Vampire" oder „Emotional Man" hingegen tönen gleichermaßen vehement und verführerisch aus den Boxen und vereinen zwischen drückenden Gitarren und packenden Melodien alle Stärken der Vorgängeralben. Letzteres wird (ebenso wie „Only For The Stars In Your Eyes") zusätzlich durch die Vocals von Gastsänger Mika Tauriainen (Entwine) bereichert. Apropos Vocals: Lisa nutzt nun auch verstärkt die tieferen Lagen ihrer Stimme, was die Ausdruckspalette der neuen Xandria-Songs nochmals entscheidend erweitert. Die kraftvolle Performance bringt zarte Momente wie die anrührende Pianoballade „The Wind And The Ocean" durch Kontrastierung noch stärker zur Geltung.

Am Ende sind es genau genommen nicht sieben, sondern gleich zwölf Schleier, die auf „Salomé – The Seventh Veil" Song für Song ablegt werden. Jeder gibt den Blick auf die Band frei – so wie sie ist. Und jedes Mal ist sie anders. Ihr Geheimnis bleibt dabei dennoch gewahrt. Der Herzenswunsch aber, zwei Jahre nach „India" ein neues hochkarätiges Album aus dem Hause Xandria in Händen zu halten, das einmal mehr den Aufbruch aus dem gewohnten Trott in wohltuende musikalische Welten erlaubt, ist mit diesem vierten Release zweifelsfrei in Erfüllung gegangen.

 
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